Paris

Paris
Spiegel, Holz, Motor, Bewegungssensor
ca. 180 x 80 cm
Georg-Kolbe-Museum, 2009

Bei Paris sieht sich der Betrachter zunächst einem simplen Wandspiegel gegenüber. …..
Die Arbeit beruht im Wesentlichen auf der Interaktion mit den Betrachtern. Wenn er sich, angezogen vom eigenen Spiegelbild, dem Objekt nähert, beginnt ab einer bestimmten Nähe, die ein Bewegungsmelder dem eingebauten Motor meldet, die Spiegelfläche zu vibrieren. Das Bild löst sich in eine zitternde Unschärfe auf, die erst aus der Distanz gleichsam überwunden werden kann, wenn die kinetische Störung wieder abgeschaltet wird.
Unmittelbar ist man an den ovidschen Narziss-Mythos erinnert über den Jüngling, der sich beim Blick in einen Quellteich in sein eigenes Spiegelbild verliebt (und denkt, es sei jemand anderes). Beim Versuch, den begehrten Körper zu ergreifen, entschwindet das Bild durch Kräuselung des Wassers. Wie bei Johanna Smiateks Arbeit ist zu große Nähe für das Verschwinden der Illusion verantwortlich.
Paris ist ein ironischer Kommentar über die Lust an der Selbstbespiegelung. Der eigenen Eitelkeit werden Schranken gesetzt.
Den Prototyp des zitternden Spiegels (ein Wandobjekt) nannte die Künstlerin Paris – oder wie eine Götterspeise auf Beinen, wobei es um das sogenannte ‘Urteil des Paris’ geht, also die Erzählung vom trojanischen Königssohn, der zwischen den Göttinnen Hera, Athene und Aphrodite die letztere als die schönste erwählte und dafür von ihr mit der spartanischen Königin Helena belohnt wurde.
Johanna Smiatek ruft, wie in vielen anderen ihrer Arbeiten, tradierte (Rollen-)Klischees auf, die sie innerhalb eines vielfältigen Bezugsnetzes unterläuft, ironisiert oder ad absurdum führt. (Zitat: Marc Wellmann)