Blow Up

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Kabine – Blow Up, 2007
Stoff, Antrieb
ca. 330 x 120 x 120 cm

Die Arbeit besteht aus einem Vorhang, der von der Decke bis zum Boden des Ausstellungsraums reicht und ein Volumen in der Größe einer Umkleidekabine umschließt. Von innen wird dieses anthropomorphe Gebilde durch ein starkes Gebläse animiert. Ohne hineinsehen zu können, werden die Betrachter allein mit den Bewegungen des Stoffes konfrontiert, deren Ursache sich erst nach und nach erschließt.
Dabei spielt Johanna Smiatek erneut mit einer Inversion von Assoziationsfeldern. Eine entsprechende Kabine in Kaufhäusern dient der Anprobe von Kleidungsstücken. Doch anstatt am (weiblichen) Körper getragen zu werden, entwickelt hier der Stoff ein Eigenleben und wird zur Paraphrase – etwa eines vom Wind bewegten Kleides. In enger Verwandtschaft dazu hat die Künstlerin auch das Objekt Dog Days (2007) entwickelt, das in Bezug zur berühmten Szene aus Billy Wilders ‘Das verflixte siebte Jahr’ (1955) steht, in der Marilyn Monroes Rock vom Fahrtwind einer U-Bahn nach oben geweht wird.
Blow up meint einerseits das Aufbauschen des Stoffes, doch ist erneut der Hinweis auf ein cineastisches Meisterwerk im Titel zu finden, durch den sich eine erweiterte Deutungsebene erschließt. Der 1966 von Michelangelo Antonioni gedrehte Film spielt in der Londoner Modeszene. Ein Fotograf meint, einen Mord mit der Kamera festgehalten zu haben, den er jedoch nicht nachweisen kann. Die Zweifel werden derart stark, dass er am Ende vor der Frage steht, was Realität und was Fiktion ist. Auf ähnliche Weise steht man auch kurze Zeit ratlos vor den tanzenden Bewegungen des Vorhangstoffes. Wie viele von Johanna Smiateks kinetischen Skulpturen ist diese Arbeit ein Verweis auf die Kraft von Projektionen, die wir auf die künstlich gemachten Dinge werfen und sie damit beseelen. (Zitat: Marc Wellmann)